Der Blindenbetrieb
Wiener Blindenwerkstätte –im Louis Braille Haus- GmbH
ist eng verbunden mit der Gründung der Landesgruppe Wien, Niederösterreich und Burgenland des ÖBV (Österreichischer Blindenverband).

1946
Gründung des ÖBV als bundesweite Organisation.

1947
Offizielle Gründung der Landesgruppe Wien, Niederösterreich und Burgenland des ÖBV unter der Leitung von Obmann Josef Lothan

1953
Mit finanzieller Unterstützung durch das Sozialministerium, der Stadt Wien und vor allem durch Spenden der Bevölkerung wird das Haus am Mariahilfer Gürtel 4 erworben und Vereinssitz der Landesgruppe.

In der Folge wird die Hilfsmittelzentrale geschaffen und eine Werkstatt eingerichtet in der blinde Bürstenmacherinnen und Bürstenmacher beschäftigt werden. Der dienst älteste Mitarbeiter ist Peter Köcher, der seit dem 03. September 1973 also seit mehr als 40 Jahren als Bürstenmacher für die Wiener Blindenwerkstatt  tätig ist.

1993
Im Jahr 1988 erwirbt der Landesverband das Gebäude in der Hägelingasse 4-6 im 14. Bezirk (Penzing). Der Umbau und die Erweiterung sind im Jahr 1993 abgeschlossen und der neue Vereinssitz, in den auch die Werkstatt siedelt, wird eröffnet.

1999
Der ÖBV benennt sich um in ÖBSV (Österreichischer Blinden- und Sehbehinderten Verband) und gibt nun auch hochgradig Sehbehinderten eine Plattform ihre Belange über eine große Organisation vorbringen zu können.

2004
Der Absatz der Blindenwaren ist in den letzten Jahren stetig gesunken. Der Blindenwerkstatt droht die Schließung und ihren 17 blinden und sehbehinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Arbeitslosigkeit.

2005
Nun stand die Werkstatt vor dem arbeitsmäßigen und wirtschaftlichen Aus. Alle Bemühungen und Aktivitäten brachten nicht den notwendigen Erfolg. Der seinerzeitige Obmann Friedrich Zorn empfahl dem Landesverband die Schließung, bemühte sich aber gleichzeitig noch einen kompetenten Partner zu finden um evtl. doch noch das Schicksal positiv zu beeinflussen.

Die Kollegen des Landesverbandes in der Steiermark hatten im Jahr 2002 vor dem gleichen Problem gestanden und die Rettung der Werkstatt durch eine Kooperation mit der größten deutschen

Blindenwerkstätte, der Arbeitsring anerkannter Blindenwerkstätten-Schlich GmbH erfahren. Diese ist ein Zusammenschluss von vielen einzelnen Blindenbetrieben und Handwerkern, der bereits seit über 80 Jahren besteht und in Deutschland über 250 blinde und sehschwache Handwerker in vielen Gewerken beschäftigt. Auch war dieser Blindenbetrieb mit einem umsichtigen und engagierten Vertrieb ausgestattet. Friedrich Zorn suchte über die Verbandskollegen aus Graz den Kontakt und fand die gesuchte Hilfe.

Im Herbst des Jahres nahm die neu gegründete Wiener Blindenwerkstätte –im Louis Braille Haus- GmbH ihre Arbeit auf. Alle 17 Arbeitsplätze konnten gerettet werden. Die Landesgruppe Wien war nun Mitgesellschafter der neuen/alten Blindenwerkstatt. Die Wiener Blindenwerkstätte –im Louis Braille Haus- GmbH war jetzt Mitglied in einem starken, internationalen Verbund von Blindenwerkstätten in Österreich, der Schweiz und Deutschland. Eine besonders enge Zusammenarbeit entwickelte sich dabei mit der Partnerwerkstatt in Graz.

2006
Zur Erleichterung der Arbeitsabläufe und Steigerung der Arbeitsleistung werden mit Unterstützung durch das Bundessozialamt alle Arbeitsplätze in der  Bürstenmacherei mit modernen, mechanischen Bündelabteilern ausgestattet.

2014
Im Rahmen der Umbaumaßnahmen in der Hägelingasse 4 – 6, zieht die Blindenwerkstatt vom ersten Stock ins Parterre um.

2018
Der BSVWNB scheidet als Gesellschafter aus, die Werkstatt wird aber unter gleicher Leitung und auch weiterhin im Louis Braille Haus in Wien fortgeführt.

Die Wiener Blindenwerkstätte –im Louis Braille Haus- GmbH ist mittlerweile ein fester Bestandteil der national und international tätigen Gruppe von Blindenwerkstätten, die sich gegenseitig austauschen und unterstützen. Uns allen gemeinsam ist das Streben danach, blinden und hochgradig sehbehinderten Menschen einen Arbeitsplatz und damit die Teilhabe am „normalen“ Alltag zu ermöglichen. Wer keine Arbeit hat, dem fehlt ein Stück Leben. Unsere Gemeinschaft bietet Bürsten- und Pinselmachern, Webern, Strickern und Stickern, Korbmachern, Pinselmachern, Töpfern  und Kerzenmachern in klassischen Blindenberufen einen dauerhaften Arbeitsplatz im Handwerk und somit einen festen Platz in unserer Gesellschaft.

Wir selbst sind in unserm Verbund Spezialist für klassische Besen im Handeinzug.

Insgesamt bieten wir mit unserer Gemeinschaft der Blindenwerkstätten ein breites Spektrum an Blindenwaren an, die für jeden etwas bieten. Neben den klassischen Besen und Bürsten haben wir eine Vielzahl von Produkten aus Blindenhand im Angebot. Im textilen Bereich sind dies Putz- und Reibtücher, hochwertige Tischwäsche, Geschirr-, Mikrofaser-, Gläser- und Handtücher sowie Socken und Strümpfe für den Business-, Privat- und Sportbereich. Ergänzt werden diese Produkte durch Bestickungen und Einwebungen. Bei den Korbwaren stellen wir vom Teppichklopfer bis zur Pflanzpyramide und vom Frühstückskorb bis zum Picknickkorb alles her. Pinsel für den (Heim-) Handwerker sind für uns genau so selbstverständlich wie Backpinsel oder Flaschenbürsten. Hinzu kommen Besen und Bürsten im Vulkanisierverfahren (auch für Lebensmittel be- und verarbeitende Betriebe). Kerzen können wir Ihnen sowohl gezogen als auch gegossen anbieten bzw. im Deko-Set mit Töpferware und anderen Produkten kombiniert mit Kerzengläsern oder Laternen. Als neueste Errungenschaft, produzieren unsere Grazer Besenmacher als erste Blindenwerkstatt überhaupt, seit Anfang des Jahres 2016, qualitativ hochwertige Reisstrohbesen aus Blindenhand.